Kino und Theater der Zukunft


Vortrag im Rahmen der Lehrveranstaltung "Rechner- und Betriebssysteme"
Bauhaus-Universität Weimar / Fakultät Bauingenieurwesen / Studienrichtung Bauinformatik
Autor: Christian Glanz
Lehrverantwortliche: Dr. Ing. Günther Schatter und Dr. rer. nat. Bernd Schalbe / Fakultät Medien / Lehrstuhl Vernetzte Medien

1. Gliederung

2. Einführung

    Multiplexe, digitaler Ton, elektronisches Bild - im Kino hat sich in den letzten zehn Jahren mehr verändert als in den 100 Jahren davor. Viele Innovationen stecken noch in der Erprobungsphase, andere sind bereits Wirklichkeit oder angeblich schon wieder überholt. Die Digitalisierung hält Einzug in die Kinos und auch das Theater bedient sich immer öfter neuen Technologien. Welche das sind und welche Ausblicke wir auf die Zukunft haben versuche ich in diesem Vortrag zu klären.

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3. Kino

    Der Begriff Kino ist die Kurzform für das griechische Wort Kinematograph und bedeutet Lichtspieltheater oder Filmtheater. Sog. Multiplex (vielfältig)-Kinos besitzen bis zu zehn Säle für 2000 bis 3000 Zuschauer. Charakteristisch für diese Großkinos sind sehr große Leinwände, neue Licht- und Tontechnik sowie Bars, Restaurants und Fanshops.

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3.1. digitales Kino

    Digitale Technik erobert die Filmtheater - eine harte Konkurrenz fürs Zelluloid. Während digitale Verfahren bislang vor allem in den Nachbearbeitungs- und Trickstudios zum Einsatz kamen, erobert die elektronische Bildtechnik nun auch die Distribution und Vorführung. Derzeit werden Filme optisch auf der Filmrolle abgelichtet, eingescannt, digital nachbearbeitet und danach wieder zurück auf Zelluloid ausbelichtet. Für die Filmstudios ist die digitale Technik interessant, da herkömmliche Filmkopien mit rund 3.000 DM pro Stück relativ teuer und sehr empfindlich sind. Bereits nach drei Dutzend Durchläufen weist das Filmmaterial erste Kratzspuren auf. Die digitale Filmverteilung ist mit den gängigen Kompressionsverfahren und Übertragungstechniken prinzipiell schon länger möglich. Dadurch entfällt in Zukunft das Verschicken von Filmrollen. Die Bilder werden abgetastet und digitalisiert. Bei einem Spielfilm entsteht die gigantische Datenmenge von einem Terabyte. Zum Speichern kein Problem, aber zu viel für den elektronischen Versand. Ein Kompressionsverfahren verringert die Datenmenge auf vier Prozent. Zusätzlich schützt die Verschlüsselung das Werk vor unerlaubtem Zugriff. Dann der tritt der Film seine Reise an: Via Satellit kommt er gleichzeitig in Hunderte von Kinos. So sind auch Lichtspielhäuser in kleinen Gemeinden beim Start eines neuen Films dabei, und müssen nicht auf eine der begehrten Kopien warten. Die Kinos speichern den Film und rufen ihn nach Bedarf ab. Erst bei der Projektion werden die Daten wieder entschlüsselt und dekomprimiert. Das Problem war die digitale Projektion der Filme im Kino. Bisher waren auch die lichtstärksten auf dem Markt befindlichen Beamer nicht leistungsfähig genug, um auch in größeren Sälen lichtstark und formatfüllend ein dem Kinofilm vergleichbares Seherlebnis zu ermöglichen. Der von Texas Instruments und Hughes/JVC entwickelte elektronische Bildwerfer soll jedoch diese Qualitätsansprüche erfüllen. Für die Kinobetreiber würde die Umstellung allerdings hohe Kosten mit sich bringen und daher wohl nur geringe Akzeptanz finden. Sie hätten lediglich den Vorteil, immer einwandfreie "Filmkopien" zeigen zu können.

    elektronische Vertriebskette für das Kino
    prinzipieller Aufbau der elektronischen Vertriebskette für das Kino


    Vorteile der digitalen Bilder:

    - es entfallen die Kosten für Herstellung und Transport der klassischen Film-Kopien
    - Ein anderer Vorteil betrifft die Reklame. Sie kann künftig sehr flexibel eingesetzt werden, je nachdem, wie viele Leute im Saal sitzen, was für eine Altersstruktur sie haben ...

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3.2. IMAX-Kino

    IMAX ist die Erfindung der gleichnamigen kanadischen Firma. IMAX (abgeleitet von "Image Maximization") ist Großformatkino, das mit einem waagerecht laufenden 70 mm Filmstreifen (wodurch pro Bild 10 mal mehr Filmmaterial belichtet wird als beim normalen Kino) ein extrem brillantes Bild auf eine riesige 500m2 große Leinwand wirft. Die Filme müssen aufwendig mit schweren Spezialkameras gedreht werden. Alle Dinge, die das 'IMAX-Erlebnis' möglich machen (Filmstreifen, Projektor, Kamera, Leinwand, Tonsystem) liegen ein paar Größenordnungen über dem Standard-Kino, ausgenommen die Spieldauer. Sie beträgt nur etwa die Hälfte der üblichen Spielfilmlänge, also ca. 45 Minuten.


    IMAX-Leinwand
    Das Bild zeigt maßstabsgetreu zwei Menschen, die unmittelbar vor einer IMAX-Leinwand stehen.


    Mit über 500 m2 übertrifft dies sogar bei weitem die Leinwandfläche der größten Säle der modernen Multiplex-Paläste (ca. 200 m2 gilt dort schon als sehr groß). Dies ist aber noch nicht alles! Man könnte meinen, wenn man einen Film einfach auf so eine große Fläche projiziert, wird das Bild unscharf und blass. Nein! Denn der IMAX-Filmstreifen ist genauso überdimensional wie die Leinwand, so dass er 10 mal mehr Bildinformation aufnehmen kann, um die große Leinwand auch auszunutzen. Dadurch wird das Endergebnis, das Bild, sogar noch besser, schärfer und brillanter als im normalen Kino, obwohl es soviel größer ist! Der Haken an der Sache ist, dass man normale Filme im IMAX-Kino gar nicht zeigen kann, weil diese (technisch) viel zu "schlecht" sind. Deshalb müssen für die IMAX-Kinos spezielle Filme gedreht werden, mit speziellen Kameras. Eine neue bessere Technik gegen die Konkurrenz durchzusetzen ist aber gar nicht so einfach, schon gar nicht, wenn es sich um eine so aufwendige Technik wie IMAX handelt. Im Kino-Bereich wurde schon mehrfach versucht, die Bildqualität zu verbessern, aber bisher sind alle Versuche kläglich gescheitert (z.B. 70 mm-Film), weil sich der höhere Aufwand für die Betreiber nicht gerechnet hat (spezielle Filmkopien, spezielle Projektoren).


    IMAX-Classic
    Imax-Classic
    IMAX-Dome
    Imax-Dome


    Dass Imax heute eine Renaissance hat, mag damit zusammenhängen, dass die Bilder im Computer-Zeitalter nur noch Briefmarkengröße haben. Als Gegentendenz bietet man ein riesiges, überwältigendes Bild. Aber das hat auch Nachteile. Die Großaufnahme eines Gesichts ist fast nicht zu ertragen, wenn man in der Nase jedes einzelne Haar zählen kann. Entsprechend sehen viele Imax-Filme aus: Man fliegt durch irgendwelche Canyons oder fährt Achterbahn.

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3.3. MetroCinevision - Kino in der U-Bahn

    Hinter dieser Bezeichnung steckt ein Prinzip, das sich die Bewegung der U-Bahn für den Film zunutze macht und das Verhältnis zwischen Zuschauer und Projektor umkehrt: Nicht die Bilder bewegen sich, sondern der Betrachter.

    MetroCinevision-Tunnel


    Zwischen den Berliner U-Bahnstationen Zoologischer Garten und Hansaplatz fährt der Fahrgast an Einzelbildern vorbei, die stroboskopisch auf eine "Leinwand" an der Tunnelwand projiziert werden, und sieht Filme in Kinoqualität. Die Filmspots haben eine Länge von 30 Sekunden, nach jeder Zugdurchfahrt wechselt der Film. Die 18 Filme eines Programms werden aus Werbespots und künstlerischen, kulturellen oder informativen Beiträgen unterhaltsam gemischt. "Diese Verbindung aus wirtschaftlicher Nutzung und gehaltvollem Rahmenprogramm sichert die Attraktivität des Mediums und die Akzeptanz bei den Fahrgästen. MetroCinevision betreibt ein breitgefächertes Marketing, um dieses neue Medium zum virulenten Bestandteil der Stadtkommunikation mit hohem Imagewert und internationaler Abstrahlung weiter zu entwickeln." (Zitat, Infomappe der MetroCinevision)

    MetroCinevision-Bildverarbeitung


    Wenn die U-Bahn auf der verkehrsreichsten Linie Berlins 270mal am Tag den Bahnhof Zoo verlässt und mit rund 75 Stundenkilometern durch den Tunnel fährt, setzt ein computergesteuerter Prozess ein: Auf der 545 Meter langen Strecke sind 900 Projektoren installiert, pro Sekunde entstehen vor jedem Fenster des fahrenden Zuges 30 Einzelbilder in 15 cm Entfernung auf der Tunnelwand. Jeder Flash dauert nur eine 20millionstel Sekunde. Durch die Bewegung der Bahn und die Trägheit der Netzhaut verschmelzen die 900 Einzelbilder (ein Bild pro Projektor). Im Auge des Betrachters ergibt das einen durchlaufenden Kurzfilm - gegen die Langeweile unter Tage.

    MetroCinevision-Projektoren
    Die Projektoren (unten) und die schräge Leinwand darüber

    Der Computer kennt alle Wagentypen, weiß, in welchem Abstand die Fenster liegen und paßt die Projektion an das Zugtempo an, damit weder Zeitraffer noch Zeitlupe entstehen. Das Programm von 18 unterschiedlichen Filmen wird alle zwei Monate aktualisiert. Die Werbespots (u.a. für Nike, Deutsche Telekom, Swatch ...) können auf Kundenwunsch und -anforderung zeitlich relativ genau über den Tag disponiert werden. Werbekunden zeigen berechtigtes Interesse, schließlich erreicht ein einziger U-Bahn-Spot bis zu 3780 Zuschauer pro Tag.

    Am 23. Oktober 1998 wurde in Berlin die erste MetroCinevision-Vorführstrecke zwischen den U-Bahnhöfen Zoologischer Garten und Hansaplatz auf der Linie 9 eröffnet. Die gefeierte Weltneuheit von einst musste aufgrund diverser Kinderkrankheiten und kleinerer Planungsfehler abgeschaltet werden.
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3.4. Planetarium

    Die Ankündigung der neuen Projektionslösung fand während der IPS'2000, der Konferenz der Internationalen Planetariumsgesellschaft in Montreal statt.

    Die Gemeinschaftslösung von
    SGI, Carl Zeiss Jena GmbH und Schneider Laser Technologies AG basiert auf einem speziell entwickelten All-Dome-Projektionssystem von Zeiss, das die in Echtzeit von einer SGI-Plattform generierten Bilder mittels Laser-Technik von Schneider auf die Halbkugel projiziert. Als Grafiksystem für die "immersive Kuppel der Zukunft" kommen die heutigen Hochleistungs-Visualisierungscomputer Silicon Graphics Onyx2 sowie später die vor der Ankündigung stehenden Next-Generation-Onyx-Systeme zum Einsatz.

    Das Zeiss-Vollkuppel-Projektionssystem mit SGIs Onxy2 und Laser-Technologie von Schneider ist ein schlüsselfertiges Displaysystem, das dem Betreiber eine interaktive Umgebung zur immersiven, realitätsnahen Darstellung des Universums bietet. Das digitale Planetarium soll problemlos anpassbar sein: Es lässt sich für Dome-Installationen mit Durchmessern von 3 m bis zu 20 m skalieren.

    Hayden-Planetarium
    Hayden-Planetarium

    Dank der hochmodernen Technologie können entsprechend ausgerüstete Planetarien auf Basis wissenschaftlicher Daten Naturphänomene von mikrobiologischem bis zu kosmologischem Umfang in hoher Qualität visualisieren. Dadurch, dass die Daten in Echtzeit berechnet werden, könnte jeder Besuch zu einem individuellen Erlebnis werden, da immer wieder etwas anderes passieren kann.

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4. Theater

    Auch einige aktuelle Theaterproduktionen bedienen sich der neuen Medien. "Gott ist ein DJ" am Landestheater Linz macht Theater nicht nur über, sondern auch mit neuen Medien. Das Stück endet nicht mit dem letzten Vorhang. Der Zuschauer wird zum User und kann z.B. per Chat in Interaktion mit den Figuren treten, die Inhalte individuell zusammenmixen usw...

    The Whooster Group
    The Wooster Group, eine Künstlergruppe aus New York


    Der "METEORIT" in Essen ist ein 12.000 Kubikmeter großer fast völlig unterirdischer Ausstellungsraum wo die Besucher die Antworten für völlig veränderte Seh-, Hör- und Spürbedürfnisse erleben. Mit Hilfe ausgefeilter Technik werden dabei alle Sinne angesprochen - mit Licht, Tönen, Düften. Dabei kommen neueste Laserinstallationen zum Einsatz mit denen optische Täuschungen erzeugt werden, die Gemälde als Fotografien und Edelsteine wirken lassen oder Jahrhunderte alte Kultgegenstände und Skulpturen als Schattenräume.

    Meteorit Essen
    Lichtkokon im METEORIT in Essen

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5. ThinDisc

    ThinDisc ist eine Erfindung des US-Start-Up-Unternehmens ThinDisc Media welche die CD flexibel macht. Im Gegensatz zur fünfmal dickeren CD lässt sich die kompatible ThinDisc zusammenrollen, ohne dabei Schaden zu nehmen. ThinDiscs sind nicht nur flexibler und unempfindlicher gegen Brüche, sondern auch auf Grund der geringeren Material- und Verpackungskosten preisgünstiger.

    ThinDisc
    die ThinDisc ist 5mal dünner als eine normale CD


    Damit ergeben sich mit der ThinDisc aber auch eher ungewöhnliche Möglichkeiten: Softdrink-Flaschen könnten mit ihnen umwickelt sein und Trailer von neuen Kinofilmen enthalten.

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6. Quellenverzeichnis

Letzte Änderung am 16.01.2002