Oslo byes vel
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Hochladen: 04/17/2012
Student Pit Kortüm
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„Uschlu“ die Stadt der Möglichkeiten bietet alles. Mit der U-Bahn direkt von der Skipiste in das Nachtleben der nordischen Metropole. Gleichzeitig kann man sich aber auch mit einer Fähre auf die vorgelagerten Inseln des Oslofjordes bringen lassen und den Ausblick auf das sich über das letzte Jahrhundert entwickelte „Oslo- Ampfi“ erleben. „Amfi“ steht hier für das Amphitheater, welches sich für den Betrachter ergibt, wenn er Oslo mit der Gebirgskette im Hinterland der Stadt sieht, denn Oslo ist eine historisch kleine Hauptstadt, die ihren Ausdruck nicht über die Hochhäuser gewinnt. So oder so ähnlich wird Oslo in den meisten Stadt und Reiseführen beschrieben. Diese Vielfältigkeit zusammen miteinem durch die Ölreserven immer noch boomenden Wirtschaftswachstum wird der Stadt und ihrer alten Baustruktur aber immer mehr zum Verhängnis. Oslo ist eine der am schnellsten wachsenden Städte in Europa. Es wird prognostiziert, dass sich in der Stadt in den kommenden 20 – 30 Jahren rund 200.000 neue Bewohner ansiedeln werden, was einem Zuwachs von einem Drittel der jetzigen Bevölkerung entsprechen würde. Wie soll man mit diesem Wachstum umgehen und was bedeutet dies in einem von Flexibilität gekennzeichneten Planungssystem mit einer Dominanz von starken Investoren. Dies sind Fragen, mit denen ich mich während meines Praktikums schwerpunktmäßig beschäftige. Nun ist es nach ungefähr der Hälfte des Praktikums an der Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Das Architekturbüro in dem ich mein Praktikum absolviere, arbeitet stark mit verschiedenen Bürgergruppen zusammen, die sich für den Erhalt und einem angepassten Wachstum innerhalb der Stadt einsetzen. Vor allem Oslo Byes Vel ist hier zu nennen, die mit verschiedenen Publikationen versuchen, auf Missstände innerhalb der Stadt aufmerksam zu machen.
http://www.oslobyesvel.no/
Die Kommune in Oslo beantwortet die Frage des Wachstums übrigens mit einem kunterbunten Mix und mehreren Kehrtwendungen im Bereich der Planung ohne eine klare, erkennbare Linie.
Als ein Beispielprojekt kann hier das Barcode Projekt genannt werden. Dieses Projekt befindet sich in unmittelbarer Nähe der neuen Osloer Oper. Dieses Prestigeprojekt, welches vom norwegischen Büro Snøhetta entworfen wurde, steht für die norwegische Architekturtradition, die bestehende Umgebung zu wahren. Zudem ist es Sinnbild des neuen modernen und stolzen Norwegens und auch nicht ohne Grund mit dem Mies van der Rohe Preis bedacht worden. Als Teil einer Gesamtidee der Fjordbyen, der Umgestaltung der ehemaligen Hafenanlagen, stehen sich hier zwei grundsätzlich verschiedene Auffassungen von Architektur gegenüber. Zum einen die sich durch Höhe definierenden und mit Investorenfreundlichkeit ausgezeichneten Bauten wie wir es aus internationalen und zunehmend aus europäischen Städten kennen und zum anderen einer modernen, funktionalen und dennoch monumentalen norwegischen Architekturtradition. In letzter Konsequenz neigt die Kommune in Oslo offensichtlich dennoch zu einer investorenfreundlichen Architektur. So auch in dem ersten Projekt, an dem ich aktiv mitarbeiten konnte, einer „Protest“-Charrette gegen Entwürfe der Kommune und Hafengesellschaft Oslos zur Umgestaltung eines der letzten Teile der so genannten Fjordbyen, dem Bereich Filipstad. Dieser Bereich betrifft den ehemaligen Containerhafen, an dem die Colorline AG ihr Fährterminal für die Verbindung Oslo – Kiel betreibt. Der Colorline AG wurde ein langfristiger Vertrag zugesichert. Die Planung sieht ein Konferenzzentrum sowie eine Shoppingmal für den neuen Terminal vor sowie die zuvor bereits angesprochene investorenfreundliche köstengünstige Architektur ohne Wahrung der Umgebung. Während der Charrette konnte ein neuer Plan entworfen werden.Der Ablauf der Charrette war für meine bisherigen Erfahrungen aus dem Entwurfsprojekt Berlin Bundesplatz sowie zahlreichen Vorlesungen von Harald Kegler zum Thema etwas eigenwillig. Für mein Empfinden war die Einbindung der Bürger viel zu knapp geraten und entsprach mehr einem Architektenmeeting. Es wurde lediglich eine Auftaktveranstaltung mit anschließender Diskussion sowie einem „Tag der offenen Tür“ gewährt, der aber eher einen „Open Space“ Charakter hatte.Schlussendlich waren alle beteiligten Bevölkerungsgruppen offensichtlich einverstanden mit dem zwischen den Architekturbüros entstanden Plan. Dies lag mit großer Wahrscheinlichkeit eher auch an der Alternativlosigkeit beziehungsweise einer Hilflosigkeit und dem Gedanken ohne eine Alternative bloß „Pest oder Cholera“ bezüglich der anderen Pläne wählen zu können. Diese Pläne unterscheiden sich im Prinzip nur durch einen Hochhausbau, welcher der Struktur noch weiter schaden würde sowie der Disposition, ob man sich nun lieber von einem oder von zwei Kreuzfahrtschiffen den Blick auf die Stadt blockieren und verstellen lässt, zumal das Grundprinzip der Investorenhörigkeit in beiden Alternativen erhalten bleibt. Dennoch habe für den Bereich der Charrette viel dazu gelernt, vor allem auch, dass die Nachtschichten vor Präsentationen auch nach dem Studium nicht aufhören!
http://www.prosjekt-fjordbyen.oslo.kommune.no/delomrader/article18808-5743.html
http://www.romeiendom.no/document-file4658?pid=Native-ContentFile-File&attach=1
http://www.frognerstranda.no/
http://www.allgronn.org/plansmie-filipstad.html
Generell bleibt noch zu erwähnen, dass man als Student unseres Studienganges in Oslo sehr gerne gesehen ist und ich bisher oft von Bürgern und Personen aus dem Fachbereich gehört habe:
„Urbanist det er bra, ser rundt, vi trenger deg“ (Urbanist das ist gut, guck dich um wir brauchen euch)