Studieren im ehemaligen Schlachthof – il Mattatoio
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Hochladen: 05/26/2012
Student Anna Hitthaler
Roma / Italia
Nachdem ich versucht habe, einen Einblick in das Fachgebiet Urbanistik in Rom zu geben, möchte ich auch über den Ort der Architekturfakultät selbst berichten, denn die Universitá Roma Tre, Anfang der 90er gegründet, ist selbst Teil eines Stadtplanungsprojektes. Die Architekturfakultät hat aktuell zwei Sitze. Das „Argiletum“ ist in der Nähe des Kolosseum, im Stadtteil Monti gelegen. Vor allem die Kurse der ersten drei Jahre des Architekturstudienganges finden aber in den Gebäuden eines ehemaligen Schlachthofes, dem „Mattatoio“ statt. In den 70er Jahren war die ursprüngliche Nutzung dieses großen Areals im Stadtteil Testaccio, der als Arbeiter- und Handwerkerviertel bekannt ist, aufgegeben worden; seit dem Jahr 2000 hat sich dort als erste Institution die Architekturfakultät angesiedelt. Im Moment werden zwei Pavillons als Vorlesungsräume sowie als Arbeitsräume und als Bibliothek genutzt. Nicht ganz problemlos läuft die Nutzung durch die Architekturfakultät bisher ab: Noch stehen keine für das Arbeiten ausreichende Räume den Studenten zur Verfügung, bisher befindet sich nur ein kleiner Teil der Bibliothek dort, es gibt dort keine Mensa und problematisch ist auch Heizung und Klimatisierung der Räume. Der Mattatoio soll jedoch mehr als nur eine Architekturfakultät sein und seine von der Comune di Roma eingeleitete Sanierung wird mit dem Ziel vorangetrieben, ihn zu einem Kulturzentrum zu entwickeln.
Das Projekt sieht eine „Stadt der Künste“ mit der Umnutzung der alten Pavillons als Raum für Ausstellungen und Theater, sowie die Ansiedlung der Architekturfakultät der Universität Roma Tre und der “Accademia di Belle Arti” vor. Mehrere Teilel der Architekurfaktultät sind noch im Bau, so zum Beispiel die Bibliothek, das Audimax und Büros. In den anderen Hallen des Komplexes hat der Außensitz eines Museums für Zeitgenössische Kunst, das Museo di Arte Contemporanea MACRO seinen Sitz gefunden, sowie ein Biobauernmarkt und die “Città dell‘Altra Economia”. Außerdem befindet sich auf dem weitläufigen Gelände ein selbstverwaltetes Kulturzentrum und die „Scuola di Musica Popolare“. Bars und Restaurants zur Verpflegung im Zentralen Bereich anzusiedeln ist ebenfalls gedacht.
Insgesamt ist der Ex-Mattatoio ein sehr interessantes Projekt. Mangelnde Kooperation und unterschiedliche Zuständigkeiten in der Verwaltung erschweren jedoch, dass dieses Projekt sich erfolgreich entwickeln kann. Die einzelnen Teile des Mattatoio sind voneinander getrennt und ein offener Campus, der das Unigelände zu einem öffentlichen Ort macht, wird durch Absperrungen verhindert. Auch wenn die Umnutzung bei begrenzten Geldmitteln nicht einfach ist, fasziniert immer noch die Ästhetik des Schlachthofes und so sind heute statt Metzger, Kühe und Schweine Professoren bei Vorlesungen, Studenten in ihren Kursen oder arbeitend vor ihrem Laptop anzutreffen.